Zuerst Euphorie, heute Kat­zen­jammer!

Von | 13. Juni 2018 | Gedanken

Nach einem inter­es­santen Süd­afri­katrip melde ich mich wieder einmal zu Wort, damit meine Kri­tiker nicht denken, ich sei im Alters­heim ver­schwunden. Wer her­um­reist sieht bekannt­lich dies und jenes, das der Öffent­lich­keit ansonsten ver­borgen bleibt. Nun stehen wir vor den Fuss­ball-Welt­meis­ter­schaften und in diesem Zusam­men­hang hat mich natür­lich inter­es­siert, wie es dies­be­züg­lich in Süd­afrika, wo die WM 2010 statt­fand, mit den Sta­dien aus­sieht? Grund­sätz­lich war der Gedanke, die Spiele einmal im Kon­ti­nent Afrika abzu­halten, kein schlechter. Die im Geld schwim­mende FIFA hat sich da natür­lich mächtig ins Zeug gelegt und die Sta­dien tüchtig mit­fi­nan­ziert. Der Anlass selbst war mit Bestimmt­heit ein Erfolg und auch als wich­tiges Bin­de­glied zwi­schen den ein­zelnen Bevöl­ke­rungs­gruppen zu werten. Kurz­fristig schaute man auf Süd­afrika. Aber war die WM auch ein Segen für die Zukunft? Leider nein. Inzwi­schen musste die Euphorie längst der Ernüch­te­rung wei­chen. Die ver­spro­chenen Trai­nings­center wurden nach Abreise der Mann­schaften nicht gebaut. Ebenso konnten nach der Welt­meis­ter­schaft die vielen ver­spro­chenen zusätz­li­chen Arbeits­plätze nicht geschaffen werden. Beschäf­tigte, die auf den Sta­dien-Bau­stellen oder im Gast­ge­werbe eine Anstel­lung gefunden hatten, wurden ent­lassen und kehrten zurück in die Trost­lo­sig­keit der Arbeits­lo­sig­keit. 

Damit machte sich lan­des­weit Ent­täu­schung breit und die leeren Ver­spre­chungen sorgten vie­ler­orts für Missmut und erneute Hoff­nungs­lo­sig­keit. Die meisten Sta­dien (es gibt nur zwei Aus­nahmen) müssen nun mit Steu­er­gel­dern wei­ter­fi­nan­ziert werden, da die Ein­nahmen weit unter den Aus­gaben liegen. Einen ähn­li­chen Ticket­ver­kauf wie bei der WM zu erzielen und die Sta­dien damit zu füllen, gleicht einer schier unmög­li­chen Her­aus­for­de­rung. Zwar werden inter­na­tio­nale Super­stars nach Süd­afrika ein­ge­laden, doch diese Kon­zerte decken noch lange nicht die monat­li­chen Aus­gaben, die deren Aus­tra­gungs­orte ver­schlingen. Noch pro­ble­ma­ti­scher ist es, die Sitz­plätze mit Sport­ver­an­stal­tungen zu füllen. Bestes Bei­spiel ist das Sta­dion in Kap­stadt. Dieses für Fuss­ball prä­de­sti­nierte Sta­dium ver­kauft im Glücks­fall bis zu 1000 Tickets und füllt damit nur einen Bruch­teil der ver­füg­baren 54’000 Sitz­plätze. Cri­cket und Rugby sind an der Süd­spitze gefragt und nicht Fuss­ball. Diese Sport­arten tragen ihre Spiele meist in eigenen, klei­neren  Sta­dien aus und sehen aktuell keine Ver­an­las­sung, sich in den WM-Sta­dien teuer ein­zu­mieten. Wenn man das alles hört, ver­steht man viel­leicht die Ableh­nung der Schweizer Win­ter­olym­pia­kan­di­datur. Es zählt eben nicht nur das Momentum. Zu hoffen bleibt nun, dass den Sta­dien in Russ­land nicht das­selbe Schicksal droht wie in Süd­afrika. Erfreuen wir uns am Sport – den Rest muss dann wohl Vla­dimir Putin regeln.